Karte 1922

Friedrich Albrecht Graf zu Eulenburg

geboren29.6.1815 in Königsberg

gestorben2.6.1881 in Berlin

Staatsbeamter

8.12.1862 bis 30.3.1878 Preußischer Innenminister

Eulenburg trat nach Stationen als Regierungsbeamter in Oppeln und mehreren Ministerien in Berlin 1852 in den diplomatischen Dienst ein. Zur Unterstützung des preußischen Außenhandels organisierte Eulenburg ab Ende 1859 eine erfolgreiche diplomatische Mission, die zum Abschluss von Handels-, Freundschafts- oder Schifffahrtsverträgen mit Japan (24. 1.1861) und China (2. 9. 1861) führte. Während dieser Reise besuchte Eulenburg auch Siam, Burma und Laos und berichtete darüber ausführlich.
Am 8. Dezember 1862 stieg er zum Innenminister Preußens auf. In dieser Funktion war er sowohl maßgeblicher Architekt als gleichzeitig geschickter politischer Durchsetzer einer umfassenden Verwaltungsreform, die theoretisch allerdings in weiten Teilen auf den Arbeiten des nationalliberalen Kathedersozialisten Heinrich Rudolf von Gneist beruhte. Eulenburg nutzte dabei geschickt den "Prussifizierungsbedarf" der bedeutenden Gebietserweiterungen nach den Siegen 1864 und 1866, setzte die Reform jedoch flächendeckend auch in den alten Provinzen weitgehend durch. Die schon in den Stein' schen Reformen begonnene kommunale Selbstverwaltung wurde durch die preußische Kreisordnung von 1872 (mit weitreichenden Folgen bis in die Gegenwart) vollendet, eine einheitliche Verwaltungsgerichtsbarkeit eingeführt, die die preußische Exekutive erstmals vollständig dem Gesetz unterwarf. Auch die Einführung der Oberverwaltungsgerichte ist Eulenburgs Werk. Preußen wurde mit diesen Reformen zum modernen Rechtsstaat. Eulenburg gelang es, sich gegen die Opposition der Katholiken im Westen und des Preußischen Herrenhauses durchzusetzen, wobei ihm seine engen Kontakte zu Kaiser Wilhelm I und zu Bismarck halfen. Trotzdem war das Verhältnis zum Reichskanzler nicht konfliktfrei: Eulenburg trat am 30. März 1878 nicht zuletzt deswegen zurück. Im Amt des Innenministers folgte ihm sein Neffe Botho Wendt Graf zu Eulenburg, der das Sozialistengesetz in Preußen durchsetzte.

Friedrich Albrecht Graf zu Eulenburg