Karte 1922

Schlieffenplan

Ein nach dem Autor Alfred Graf von Schlieffen benanntes Strategiepapier, das dieser in seiner Eigenschaft als Generalstabschef der deutschen Armee kurz vor seiner Pensionierung im Jahre 1905 für den angenommenen Fall eines Zweifrontenkrieges gegen Rußland und Frankreich entworfen hatte. Der Plan ging davon aus, einem bevorstehenden Angriff zuvorzukommen und die Gegner nicht erst bis an deutschen Grenzen heranrücken zu lassen, sondern unter Mißachtung der belgischen, luxemburgischen und niederländischen Neutralität nach Nordfrankreich vorzustossen, dort nach Süden und Osten sich aufteilend die gegen Deutschland marschierenden französischen Truppen in einer Zangenbewegung zu umfassen und zu vernichten. Das alles sollte so schnell gehen wie man glaubte, dass Russland für die Mobilmachung brauche, weshalb der Plan vorsah, dass die deutschen Truppen nach dem als selbstverständlich angenommenen Sieg an der Westfront gleich weiter an die Ostfront marschieren sollten. Nach Schlieffens Tod 1913 wurde der Entwurf von seinem Amtsnachfolger Helmuth Graf von Moltke überarbeitet und bildete 1914 die Grundlage für den deutschen Aufmarsch im Westen zu Beginn des Ersten Weltkrieges, nachdem Russland am 1. August und Frankreich am 3. August von deutscher Seite der Krieg erklärt worden war. Zwei Streitmächte sollten Paris von Norden und Süden her in die Zange nehmen, doch scheiterte die Umklammerung an mangelnder Truppenstärke, Moltke musste die Schlacht an der Marne im September 1914 vorzeitig abbrechen. Zudem waren russische Truppen schon im August in Ostpreußen eingedrungen und hatten die deutsche Armee in der Schlacht bei Gumbinnen besiegt. Ausserdem war Großbritannien, als Garantiemacht der belgischen Neutralität, nach dem deutschen Durchmarsch am 3./4. August 1914 sofort in den Krieg eingetreten. Man kann demnach sagen, dass die Anwendung des Schlieffen-Plans im Ersten Weltkrieg gescheitert ist.

Alfred Graf von Schlieffen

Alfred Graf von Schlieffen