Karte 1922
Josef Wirth Josef Wirth Josef Wirth

Joseph Wirth

geboren6.9.1879 in Freiburg im Breisgau

gestorben3.1.1956 in Freiburg im Breisgau

Zentrum

10.5.1921 bis 14.11.1922 Reichskanzler

Der aus einer katholischen Arbeiterfamilie stammende Josef Wirth wurde 1879 in Freiburg im Breisgau geboren. Er studierte Mathematik und wurde Lehrer am Realgymnasium. 1911 trat er dem Zentrum bei, 1914-33 vertrat er den linken Flügel der Partei im Reichstag. 1918 wurde er erst badischer, dann Reichsfinanzminister. Im Mai 1921 übernahm er das Amt des Reichskanzlers von Konstantin Fehrenbach, der sich weigerte, das die Reparationszahlungen betreffende Londoner Ultimatum anzunehmen. Wirth ging auf das Ultimatum ein und bemühte sich auch sonst um die Erfüllung des Versailler Vertrages. Nach der Ermordung des Reichs-Außenministers Walther Rathenau gab der begabte Redner Wirth bei einer großen Rede im Reichstag die Parole „Der Feind steht rechts“ aus. Als er jedoch während der Konferenz von Genua, die die Reparationsfrage regeln sollte, den Vertrag von Rapallo mit der Sowjetunion schloss, bedeutete das zugleich das Ende seiner „Erfüllungspolitik“, da die Westmächte nach dem Freundschaftsvertrag mit den geächteten Sowjets nicht mehr zu einer Verständigung über die Reparationen bereit waren. Im November 1922 trat Wirth angesichts der immer stärker anziehenden Inflation von seinem Amt zurück.

Der überzeugte Republikaner Wirth verband nationale, christliche und soziale Vorstellungen, ohne sich dabei auf eine Doktrin festzulegen. Seine Beweglichkeit, die sogar 1925/26 aus seiner Fraktion hatte austreten lassen, ließ seine Berufung zum Minister weiterhin vertretbar erscheinen. So gehörte er der Regierung Müller als Minister für die besetzten Gebiete, der Regierung Brüning sogar als Innenminister an, bis Kurt von Schleicher seine Entlassung veranlasste. Nachdem er 1933 für das Ermächtigungsgesetz gestimmt hatte, ging er in die Schweiz. Im Exil und auch nach seiner Rückkehr setzte Wirth sich für einen Ausgleich zwischen den deutschen Staaten und ein neutrales, ostorientiertes Deutschland ein (, wofür er 1955 den Stalinpreis erhielt). Er starb 1956 in seiner Heimatstadt.

Josef Wirth