Karte 1618

Benjamin Raule

geboren?.2.1634 in Vlissingen

gestorben17.5.1707 in Hamburg

Unternehmer

1676 bis 1696 Generalmarinedirektor

Der Niederländer Raule hatte bereits als Kaufmann in Middelburg mit Handelsgeschäften mit Frankreich ein Vermögen gemacht. Durch den Krieg zwischen England und den Niederlanden mit Frankreich brach sein Geschäft 1672 zusammen. Raule suchte nach neuen Geschäftsfeldern und bat im Jahre 1675 den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm um einen Kaperbrief gegen die Schweden. Brandenburg war praktische ohne Flotte und die Unterstützung Raules trug mit der Kaperung von 21 Schiffen zum Sieg über die Schweden durchaus bei. Teilweise setzte Raule eigene Schiffe ein, andere wurden gechartert. Raule blieb in brandenburgischen Diensten und bekam 1676 den Auftrag, eine brandenburgische Flotte aufzubauen. Trotz erfolgreicher Einsätze der von Raule organisierten und mit immerhin 502 Geschützen ausgerüsteten Marine bei der Belagerung von Stettin 1677 und von Stralsund 1678 und der Eroberung Rügens 1678 muss Brandenburg nicht nur die Prisen, sondern auch das kaum gewonnene Vorpommern wieder hergeben. Neben weiteren Kaperfahrten, u. a. gegen Spanien gründete er 1682 die Brandenburgisch-Afrikanische Handelskompagnie in Pillau, die 2 Jahre später ihren Heimathafen nach Emden verlegte. Sie verfügte über insgesamt 30 Handels- und 10 Kriegsschiffe. Mit Hilfe der Kompagnie wurde die gtrößte Handelniederlassung Brandenburgs in Afrika, Groß-Friedrichsburg (1683 von Friedrich von der Groeben gegründet), eine zeit lang eine Einnahmequelle für die brandenburgische Staatskasse. Raule stand beim Marinefan Friedrich Wilhelm in besonderer Gunst. Eher diese, als wirklich erfolgreiche Geschäfte ermöglichten ihm, in Berlin als Residenz das Schloss Friedrichsfelde zu errichten. Raules beruflicher und gesellschaftlicher Absturz kam mit dem Tod seines Gönners Friedrich Wilhelm. Wegen angeblich betrügerischer Geschäftspraktiken wurde er 1696 angeklagt und Ende 1698 auf der Festung Spandau festgesetzt, wo er in Eberhard Freiherr von Danckelman auf einen anderen ehemaligen Günstling traf: der ehemals leitende Minister von Friedrich I. war auf Grund von Intrigen gestürzt worden. Raule verlor nicht nur sein Vermögen; auch nach seiner Freilassung im Jahre 1702 lebte er quasi in Verbannung auf einem Schiff in Emden. Kurz vor seinem Tode durfte er nach Hamburg ziehen. Dort starb er 1707.