Karte 1763
König Friedrich Wilhelm II. Hans Rudolf von Bischoffwerder Johann Christoph Woellner Immanuel Kant

17. August 1786    Der neue König macht wenig besser und vieles schlimmer

"Mein Neffe wird den Staatsschatz verschwenden, die Armee ausarten lassen. Die Weiber werden regieren, der Staat wird zugrunde gehen“ hatte der Alte Fritz prophezeit. Ausgenommen den letzten Punkt, sollte er recht behalten. Obgleich es anfangs nicht so schien. "Nova Spes Regni – des Königreichs neue Hoffnung“, den Spruch lassen die Stände anlässlich der Thronbesteigung von Friedrich Wilhelm II. auf eine Münze prägen.

Tatsächlich schafft der neue König einige der drückenden Steuern ab – zunächst. Das Zuckermonopol des Splitgerberischen Handelshauses wird nicht verlängert und die verhasste französische Regiebehörde wird ebenso aufgelöst wie die Generaltabaksadministration und auch das Kaffeebrennen ist wieder erlaubt. Aber wenig später werden neue Abgaben erhoben, die vor allem die armen Leute belasten. Nun sind es Mehl, Weizen, Salz und Zucker auf die man hohe Abgaben zahlen muss.

Andererseits, der König gibt sich bürgerlich. Die Untertanen werden nicht mehr mit "Er“ sondern mit "Sie“ angeredet. Bei der Hochzeit seines Sohnes Ludwig dürfen sie sogar ins Schloss. So heisst er bald "der Vielgeliebte“. Korruption und Günstlingswirtschaft haben Konjunktur, als der neue König ausgerechnet Kammerdiener Rietz, den Scheingemahl seiner Mätresse zum Schatzmeister macht. Orden, Rangerhöhungen, Adelstitel kann man gegen gutes Geld bei ihm kaufen.

Der "Vielgeliebte“ ist bald weniger beliebt, als sich zeigt, dass er ein bigotter aufklärungsfeindlicher Herrscher ist. Als Mitglied des Rosenkreuzerordens begibt er sich ganz in die Hand seiner Ordensbrüder Bischoffwerder und Wöllner, die er 1788 zu Ministern macht, Hans Rudolf von Bischoffwerder wird Minister für Außenpolitik, Johann Christoph Wöllner, ein Theologe, übernimmt das Kultus- und Justizministerium.

Besonders Wöllner konzentriert sich auf die Bekämpfung der Aufklärung. Sein Religionsedikt von 1788 wird von Zeitgenossen als "kirchliche Polizeiordnung“ bezeichnet. Am 19. Dezember 1789 tritt dann noch ein restriktives Zensuredikt in Kraft. Es schränkt die Geistesfreiheit derart ein, dass die beiden großen Berliner Journale, Friedrich Nicolais "Allgemeine Deutsche Bibliothek“ und Johann