Karte 1922
Walther von Seydlitz Walther von Seydlitz

Walther von Seydlitz- Kurzbach

geboren22.8.1888 in Hamburg

gestorben28.4.1976 in Bremen

Offizier

Vorsitzender des Nationalkommitees Freies Deutschland

Walter von Seydlitz wurde am 22 August 1888 in Hamburg als der Sohn eines Regimentskommandeurs, der es noch bis zum Generalleutnant brachte, geboren. Damit wuchs der Junge in eine der ältesten und berühmtesten Offiziersfamilien Deutschlands hinein. Zu seinen Vohrfahren gehörten der Adjudant Yorck von Wartenburgs, Florian von Seydlitz, der zusammen mit Clausewitz die Konvention von Tauroggen abfasste sowie der wohl berühmteste Seydlitz, der Reitergeneral Friedrichs des Großen, der so manche berühmte Schlacht im Siebenjährigen Krieg durch seine Attacke entschied. Schon dieser General hatte den Mut, die Befehle seines Königs zu ignorieren, wenn es die Lage erforderte. In dieser Tradition wuchs der junge Walther auf und es war selbstverständlich, daß auch er Offizier werden würde. Am 18. September trat er in Danzig in ein Feldartillerieregiment ein und begann eine militärische Karriere, die erst nach der Heimkehr aus sowjetischer Gefangenschaft 1955 endete.
Während des ersten Weltkrieges zeichnete Seydlitz durch seine Tapferkeit mehrfach aus und erhielt mehrere schwere Verwundungen. Er kämpfte als Artillerist sowohl an der Ostfront, wie auch im Westen. Nach dem Kriege tat er weiterhin Dienst in der Reichswehr, unter anderem im Waffenamt. Stand er dem Nationalsozialismus anfänglich noch positiv gegenüber, wandelte sich sein Verhältnis zu diesem im Laufe der Zeit. Der endgültige Umkehrpunkt wurde durch die Schlacht von Stalingrad herbeigeführt. Von Seydlitz war der einzige General im Kessel, der bereit war, zum Wohle der Truppe gegen die Befehle Hitlers zu handeln. Um den Oberbefehlshaber der eingeschlossenen 6. Armee zum Handeln zu zwingen und den allein sinnvollen Ausbruch aus dem Kessel zu erreichen, ließ er eigenmächtig seine Division zurücknehmen und zum Ausbruch vorbereiten. Der Oberbefehslhaber vor Stalingrad, General Paulus, fühlte sich aber an den unbedingten Haltebefehl Hitlers gebunden, obwohl ihm bewußt war, das dies das Ende der Armee bedeuten würde und von Seydlitz dieses seinem Oberbefehlshaber auch immer wieder sagte. Seydlitz sagte in seinen Memoiren den bezeichnenden Satz, daß Paulus die letzte Tugend zu einem Feldherren gefehlt hätte, der notwendige Ungehorsam gegen Hitler. Also wurde bis zum bitteren Ende kekämpft. Seydlitz wurde dann am 31. Januar 1943 auf seinem Gefechtsstand gefangen genommen. Während der Gefangenschaft kam er mit einer Reihe von Hitlergegnern, Kommunisten und von den Sowjets beauftragten Propagandisten zusammen. Im Generalslager Woikowo erfuhr er durch Zeitungslektüre erstmalig von der Gründung des Nationalkomitees Freies Deutschland am 12./13. Juli 1943 in Moskau.
Da sich die meisten Offiziere, zumal die namhaften, weigerten, in diesem von emigrierten deutschen Kommunisten dominierten Komitee mitzumachen, schufen die Sowjets noch eine weitere Organisation, den Bund Deutscher Offiziere. Wohl aufgrund der offenen Oposition von Seydlitz während der Schlacht von Stalingrad, hielten die Sowjets ihn wohl für geeignet, dem Bund beizutreten. Dazu wurde er mit anderen Kandidaten in ein anderes Lager überführt. Anfänglich verweigerte sich Seydlitz der Mitarbeit; erst nach weiteren Zusicherungen von Seiten der Sowjets hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten des Bundes und der Zukunft Deutschlands, entschied sich Seydlitz zur Mitarbeit und wurde damit zum prominentesten Vertreter des Bundes Deutscher Offiziere. Das diese Entscheidung sicher nicht leichtfertig gefallen war, oder aus bloßem Oportunismus heraus, wird an den möglichen Konseqenzen deutlich. Es war Ende 1943 nicht sicher, daß der Nationalsozialismus vollkommen überwunden werden würde und die Mitglieder des BDO wieder in die Heimat zurückkehren würden können. Auch war unklar, ob nicht die daheim befindliche Familie in Sippenhaft genommen würde und büßen müßte. Tatsächlich wurde von Seydlitz für seine Aktivität in Abwesenheit zum Tode verurteilt, seine Frau mußte sich zwangsweise von ihm scheiden lassen und seine Familie wurde teilweise in Lager gesperrt. Vor allem die Einsicht in die ausweglose Kriegslage Deutschlands und der verbrecherischen Intentionen, die mit dem Krieg im Osten verbunden waren, gaben für Seydlitz den Ausschlag, sich für die Beendigung des Krieges einzusetzen und sich als General aus dem preußischen Uradel an einen Tisch mit Kommunisten und Revolutionären zu setzen. Die Haupttätigkeit bestand im Wesentlichen aus Propaganda, die das Vertrauen des deutschen Soldaten in seine Führung untergraben sollte. Aber auch auf die militärischen Führer versuchte man Einfluß zu erlangen, indem Seydlitz persönlich verfasste Briefe an die Frontkommandeure senden ließ. Die Wirkung des BDO und des NKFD waren in den realen Ergebnissen an der Front gering. Eine große Wirkung hatte deren Tätigkeit jedoch auf die deutsche Heimatfront. Die Goebbels Propaganda verwandte viel Mühe darauf, die Mitglieder des BDO entweder als ehrlose Elemente, oder als unter Drogen gesetzte Marionetten, darzustellen. Mit Erfolg, wie sich dann rausstellte, da dieses Bild noch bis weit in die siebziger Jahre die Diskusion von diesen Organisationen bestimmte. Ironischerweise half seine propagandistische Tätigkeit für die Sowjets Seydlitz nicht, früher aus der Gefangenschaft entlassen zu werden. Im Gegenteil, wegen seiner beharrlich beibehaltenen Distanz zur kommunistischen Weltanschauung wurde Seydlitz 1950 verhaftet und wegen angeblicher Kriegsverbrechen der Proßess gemacht. Das folgende Urteil lautete auf Tod, wurde aber bald in 25 Jahre Haft umgewandelt. Als einer der letzten Kriegsgefangenen in der Sowjetunion erlangte Walther von Seydlitz am 6. Oktober 1955 wieder die Freiheit.
Auf seinen eigenen Antrag hin wurde 1956 dann das vom Reichskriegsgericht am 26. April in Abwesenheit gegen ihn verhängte Todesurteil formell aufgehoben. Walther von Seydlitz starb
87 jährig im April 1976 in Bremen.

Walther von Seydlitz