Karte 1922
Hermann Müller Hermann Müller

Hermann Müller

geboren18.5.1876 in Mannheim

gestorben20.3.1931 in Berlin

Redakteur

SPD

1919 bis 1920 Reichsaußenminister

Hermann Müller wurde 1876 in Mannheim geboren. Wegen materieller Zwänge nach dem Tod des Vaters beendete er das Gymnasium nach dem Einjährigen und durchlief eine kaufmännische Ausbildung. Selber von bürgerlicher Herkunft, trat er der SPD bei und begann eine typische Funktionärskarriere. Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs versuchte er erfolglos ein gemeinsames Vorgehen der deutschen und der französischen Sozialisten zu vermitteln. Bei Kriegsende trat er für eine Regierungsbeteiligung der SPD unter Max von Baden ein, er selbst wurde als Nachfolger von Philip Scheidemann und Friedrich Ebert neben Otto Wels neuer Parteivorsitzender. Von 1919-1928 war er außerdem beinahe ununterbrochen Vorsitzender seiner Fraktion. Als langjähriger außenpolitischer Experte der Partei und als Außenminister in den Jahren 1919/20 trat er für eine konsequente Westorientierung und zügige Erfüllung der Versailler Vertrag festgelegten Auflagen ein. Von März bis Juni 1920 war er Reichskanzler und ließ die im Ruhrgebiet ausgebrochenen Unruhen niederschlagen. In den folgenden Jahren sprach er sich zumeist gegen eine Regierungsbeteiligung der SPD aus, da sie Gegensätze in wirtschaftlichen Fragen und ein generelles Misstrauen, namentlich gegen die DVP, zu sehr von den bürgerlichen Parteien trennten. Eine Ausnahme war die Beteiligung am von August bis November bestehenden Kabinett Stresemann, als Inflation, Ruhrbesetzung und innere Wirren ein Zusammenrücken mit den anderen wohlwollenden Kräften unabdingbar machte.

Nach dem Wahlsieg der Sozialdemokraten im Mai 1928 wurde Müller wieder als Reichskanzler nominiert, nachdem der beliebte preußische Ministerpräsident Otto Braun, ein langjähriger Rivale Müllers, verzichtet hatte. Die von der DVP bis zur SPD reichende große Koalition hielt der zudem noch durch eine schwere Krankheit geschwächte Müller nur mühsam zusammen, da Reparationen, Außenpolitik und Finanzprobleme eine schwere Belastung darstellten. Als eine Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung notwendig wurde, scheiterte Müller an der Unnachgiebigkeit seiner Fraktion, die jede Erhöhung ablehnte, und trat im März 1930 zurück. Er starb im darauffolgenden Jahr in der Schweiz.

Hermann Müller